Haltung und Nachzucht von Channa aurantimaculata

1. Herkunft und Klima

Channa aurantimaculata wurde auf einem Fischmarkt in der Stadt Dibrugarh entdeckt und auch dort beschrieben. Soweit mir bekannt gibt es keine Informationen über das eigentliche Verbreitungsgebiet der Art.

Das heißt über den genauen Lebensraum der Tiere gibt es keine Auskünfte, weder in welcher Höhenlage die Tiere leben, noch in welcher Gewässerart.

Dies könnten schnell fließende Ausläufer des Brahmaputran Rivers sein, genauso wie ruhige und stille Seitenarme, die mitunter während der Trockenzeit vom Hauptstrom getrennt werden, Regenwaldgewässer sowie größere Teiche und Seen.

Einheimische Fischer fangen die Tiere und bringen sie in die Stadt Dibrugarh wo sie verkauft werden, für Touristen ist das Herkunftsgebiet nicht zu betreten.

 

Klimaauskünfte liegen mir nur aus der Stadt Dibrugarh vor.

In wie weit dies auf das eigentliche Verbreitungsgebiet anzuwenden ist, ist unklar, da wir nicht wissen aus welcher Höhenlage die Tiere stammen.

Wir können erkennen, dass die Lufttemperatur im Durchschnitt ein Minimum von 15°C erreicht, bei einem Maximum von fast 30°C.

Allerdings ist Lufttemperatur nicht gleichzusetzen mit Wassertemperatur.

Das Wasser am Hang des Himalaja wird durch Schmelzwassereinflüsse zum Teil deutlich kälter sein, als die Lufttemperatur. Allerdings ereilt uns hier wieder das Schicksal der Unwissenheit, denn je nach Herkunftsgewässer kann die Temperatur dauerhaft niedrig sein oder jahreszeitlich schwankend.


Außerdem sehen wir anhand dieses Klimadiagramms einen deutlichen Unterschied zwischen Regen und Trockenzeit.. (Trockenzeit: November – März/April)


2. Ernährung

Die Zahnstruktur von Channa aurantimaculata spricht für einen nicht sehr wählerischen Fisch,

zum einen finden wir Zahnstrukturen die zum Festhalten der Bedeute (Fisch) dienen, sowie starke Zähne im hinteren Maulbereich zum Zermahlen von Beute (z.B. Krebse).

Im Aquarium sollten wir den Tieren eine Mischung unterschiedlicher Futterarten bieten:

- Heimchen/Grillen/Heuschrecken

- Zophobas / Mehlwürmer

- „Wiesenplankton“

- lebende Fische

- Frostfutter

- Trockenfutter (Sticks)

Die Tiere legen Futterpausen ein (mehr dazu beim Thema Vermehrung)

3. Verhalten

Channa aurantimaculata kann starke innerartliche Aggressionen zeigen, die mitunter zum Verlust von Individuen führen können.

Nach wochenlangen friedlichem Beieinander kann es sozusagen über Nacht zu heftigsten Auseinandersetzungen kommen.

Allerdings heilen eingerissene Flossen und kleinere Bisswunden sehr schnell und unproblematisch ab, wenn das unterlegene Tier platz für einen Rückzug hat.

C. aurantimaculata ist der mir einzig bekannte Schlangenkopffisch der stark buddelt, Bodengrund wird mit dem Maul aufgenommen und das Aquarium wird nach Wunsch des Schlangenkopffisches dekoriert.

4. Das Aquarium

Beckengröße:

150 x 60 x X
für die dauerhafte Haltung eines Paares, eine Haltung unter Beobachtung, zur Vermehrung der Tiere ist bereits in kleineren Behältern möglich.

Beckeneinrichtung:

Viele Versteckmöglichkeiten, viel Einrichtung!
Pvc-Rohre, Korkröhren, Wurzelholz etc.
Vorsicht bei Steinaufbauten, aufgrund der Buddelleidenschaft der Tiere besteht immer Einsturzgefahr!

Pflanzen:

Werden nicht gefressen, allerdings werden Pflanzen oftmals ausgegraben.
Filigrane Pflanzen werden durch vorbeischwimmen in Mitleidenschaft gezogen!



5. Haltungsbedingungen

- Aquarium ab 400l

- Viele Versteckmöglichkeiten

- Wassertemperatur nicht gleichbleibend

- sparsam füttern

- keine Beifische

6. Geschlechtsunterschiede

Weibchen

Männchen

Die Geschlechter lassen sich recht deutlich an der unterschiedlichen Färbung und höhe der Rückenflosse unterscheiden. Hier nochmal im Detail:

Männchen: Hohe Rückenflosse, mit deutlich größerem blau/türkis Anteil
Weibchen niedrigere Rückenflosse mit deutlich kleinerem Blauanteil

Zwei weitere Exememplare: Männchen

Weibchen

Schon bei Jungtieren von nur 15cm Größe erkennt man deutliche Unterschiede in der Rückenflosse.

(Besonders in der Höhe, aber auch in der Zeichnung)

Das gleiche Paar mit ca. 20cm
Das gleiche Weibchen mit 30cm
Das gleiche Männchen mit 30cm
Unterschiede in der Kopfform sind vorhanden, aber nicht so signifikant. Das Tier mit dem breiteren Kopf ist übrigens das weibliche Tier!

 

7. Vermehrung

Der Grund für die selten erfolgte Vermehrung von Channa aurantimaculata, liegt meiner Meinung nach in der großenteils völlig falschen Aquarienhaltung. Zum Beispiel sind unsere Aquarientiere deutlich zu fett!
Meiner Erkenntnis nach durchleben Channa aurantimaculata eine echte Winterruhe, in der es nicht essentiell ist wie kalt es nun wirklich ist, sondern die hauptsächlich dadurch geprägt ist, dass ein Futtermangel herrscht.
Wenn uns Importtiere von Channa aurantimaculata (und ähnlichen Arten) erreichen, dann sind die zum Teil in einem sehr schlechten Allgemeinzustand – der Kopf ist breiter als der Körper und die Tiere sind stark abgemagert.
Dies liegt zum einen an der Zwischenhälterung und dem Transport zum anderen aber das die Tiere oftmals zum Ende der Trockenzeit gefangen werden – in der kalten Jahreszeit.
Ich selber habe meinem Zuchtpaar 3Monate (fast) kein Futter gegeben, ein deutlicher Unterschied in den Körperproportionen war nicht zu erkennen.
Die Temperatur lag nur bei ca. 17°C während dieser „Winterruhe“ und im Sommer auch nur bei ca. 22°C .

Meiner Meinung nach ist auch die Anwesenheit einer geeigneten Höhle im C. Aurantimaculata Aquarium recht wichtig, zumindest muss ein Versteck geschaffen werden, in dem sich ein Partner dem anderen komplett entziehen kann – zum Beispiel Höhlen durch dessen Eingang nur das kleinere (meist Männliche) Tier passt.


 

Umschlingen ist übrigens zumindest bei dieser Schlangenkopffischart kein deutliches Zeichen für die Anwesenheit beider Geschlechter!

Das Zuchtaquarium hatte gerade mal eine Größe von 120x40x50cm, bei einem Wasserstand von ca. 30cm.

Aufgrund der Tatsache dass die Tiere bei 17°C lebten, sich das unterlegene Tier in einer Höhle der Sicht des Weibchens komplett entziehen konnte - war dies möglich.

Die Maulbrut dauerte fast 3Wochen, es schlüpften (für Channa-verhältnisse ) winzige Larven.
Die Jungen werden mit Nähreiern gefüttert, so dass die Aufzucht unproblematisch ist
 
 
 
 
ca. 2Monate alt
ca. 1 Jahr alt
 

8. Abschließendes

Meiner Meinung nach sind auch die Aggressionen die oftmals nach der Jungenaufzucht auftreten ein "hausgemachtes" Problem, welches in der Natur nicht vorkommt.
Die Tiere laichen zu Beginn der (warmen) Regenzeit (März/April) und ziehen ihre Jungen bis zum Anfang der Trockenzeit gemeinsam, recht friedlich groß.
Danach kommt es zum Temperaturabfall und die Tiere verfallen wieder in ihre Winter-Trägheit.

Im Aquarium überfüttern wir unsere Schlangenkopffisch deutlich, gerade die subtropischen Arten kommen wahrscheinlich mit viel weniger Nahrung aus, als wir denken.
Die dauerhaft warmen Temperaturen lösen dauerhaften Laichwillen und somit dauerhaften Laichdruck aus, dem meist ein Partner auf dauer nicht gewachsen ist
Wir müssen dabei deutlich umdenken und die Tiere entweder nach dem Laichen trennen oder die Umstände so verändern, dass der dauerhafte Laichdruck gemindert wird.

-------------------------------------------------------------------

Wir wissen nicht wo die Tiere genau leben, wir wissen nicht in was für Gewässern die Tiere leben und nicht in welcher Quantität.
Aber wir wissen dass die Tiere zu tausenden jährlich exportiert werden...
und ich weiß von ca. 5 gelungenen Nachzuchten Europaweit..

Es wird Zeit das da mehr getan wird, mehr versucht wird und wir baldigst auf die Importtiere verzichten können.