(Para-)channa Obscura

Herkunft
Afrika
Habitat
fließende/stehende Gewässer
Größe
ca. 50cm

Temperatur

tropisch + 25°C
Ernährung
Insekten / Fisch
Verhalten
sehr ruhige Art (Lauerjäger) / innerartlich mässig aggressivt
Aquariengröße (Empfehlung)
ab 300l
Empfehlung
Sehr gut geeignete Art auch für Anfänger
 

Parachanna obscura

Zu diesem Schlangenkopffisch möchte ich eine ganz persönliche Geschichte erzählen.

Es war in meinen Jugendtagen, ich war glaub ich so 15Jahre alt, da habe ich aushilfsweise in einem Aquaristikgeschäft gearbeitet  -ich weiß gar nicht mehr ob ich damals bezahlt wurde - wenn dann glaube ich in Naturalien :) Was kann einem mit 15 besseres passieren.
Naja in diesem Zooladen - es war so ein kleiner Privater in meiner Heimatstadt Bad Oldesloe - da gab es eine Pflanzenanlage mit einem riesigen Becken - für meine Verhältnisse riesig, ich würde heute sagen es war so 150x60x60 :) Ohne Abdeckung. Irgendwann bekamen wir von einem Kunden einen Schlangenkopffisch - das war zu einer Zeit in der ich das Wort Schlangenkopffisch zum ersten mal gehört habe - das Tier war riesig - für meine damalige Vorstellung - vielleicht 30cm.
Zu Hause hatte ich damals ein 80er und ein 60er Becken.
So musste der Channa im Laden bleiben, aber er wurde sehr schnell zu meinem persönlichen Liebling - er bewohnte das Becken mit Pfauenaugenbuntbarschen und einem Großwels - ich glaub sogar es war eine junge Rotflosse. Über die Haltungsbedingungen möchte ich heute lieber nicht reden - aber ich war jung und unwissend. Internet gab es zu der Zeit noch nicht - für jüngere Leser wahrscheinlich unvorstellbar. Informationen hat man damals aus Büchern eingeholt - der Mergus war die Bibel der Aquaristik.
Ich konnte sogar herausfinden, dass es sich um einen afrikanischen Schlangenkopffisch, Parachanna obscura handelt. Das Tier war relativ lethargisch, eigentlich lag es nur unter einer Wurzel und es war ein Highlight wenn es sich zum Fressen mal ein paar cm aus dem Versteck getraut hat - kein Wunder bei den Beckeninsassen.
Heutzutage frage ich mich immer noch warum das Tier nicht aus dem offenen Becken gesprungen ist - denn gerade Channa obscura springen zumindest als Jungtiere gut und sehr  gerne.
Parachanna obscura war folglich mein erster Schlangenkopffisch - und er sollte nicht der Letzte bleiben.

Nun aber zur Artbeschreibung:
Parachanna obscura ist ein Schlangenkopffisch aus Afrika (Senegal, Zentralafrika) und gehört folglich zu den etwas ursprünglicheren Schlangenkopffischen. Aufgrund eines etwas primitiver gebauten Suprabrachialorgan gehören die afrikanischen Arten auch in die Gattung PARAchanna.

Es ist immer interessant, wenn ich bei Vorträgen davon berichte, dass Channa nicht gleich Channa ist und es viele deutliche Unterschiede gibt - für den  unbedarften Zuhörer sind Schlangenkopffische alle irgendwie gleich. Wer Pc. obscura gehalten hat und gleichzeitig, oder später andere Arten, wird sofort wissen, was ich meine wenn ich davon spreche, dass man Pc. obscura nicht mit anderen Arten vergleichen kann.
Die Tiere sind Lauerjäger, die diese Strategie zur Perfektion entwickelt haben - dadurch sind sie vom ganzen auftreten ruhige und entspannte Fische. Hektik kennen diese Tiere nicht, sie bewegen sich ruhig und majestätisch und sind für Schlangenkopffische innerartlich sehr tolerant.
Als Lauerjäger haben die Tiere keine großen Platzansprüche und aufgrund ihrer innerartlichen Ruhe können sie auch als Paar in relativ kleinen Becken untergebracht werden.
Allerdings sollte man dabei die Endgröße nicht unterschätzen, ich habe schon Tiere, damals im Berliner Zooaquarium gesehen, welche mindestens 50cm Länge erreicht haben.
Das heißt ein Aquarium für ausgewachsene Tiere sollte mindestens 180x60x60cm Größe haben.
In meiner Artbeschreibung stand mal 120x50x50cm würden ausreichend sein, dies gilt aber nur für subadulte Tiere. Parachanna obscura wachsen von der üblichen Verkaufsgröße von 5-6cm sehr zügig auf eine Größe von 30cm heran, wobei die Weibchen deutlich schneller wachsen und auch größer werden als die Männchen. Wenn die Weibchen  35cm erreicht haben stagniert das Wachstum und es ist kaum noch eine Größenzunahme zu entdecken.
Das heißt, wenn man sich kleine Obscura kauft, können diese sicherlich 5Jahre in einem 120x50x50
Becken gepflegt werden - auf Dauer kann man die Tiere in solch Becken aber nicht pflegen.
Doch an  dieser Stelle ein paar Worte an die Aquarianer-Beckengrößen-Polizisten, die auf FB und in Foren ihr Unwesen treiben.  Jeder vernünftige Aquarianer, der gerne einmal Parachanna obsura pflegen möchte, sollte nicht durch ein Beckenmaß von 600l abgeschreckt werden, vielmehr sollte er darauf hingewiesen werden, dass eine temporäre Haltung in 300l möglich ist.
Wenn jemand 5 Jahre diese Tiere hält, dann wird er spätestens nach 3 Jahren das Becken vergrößert haben, da er seine Tiere liebt. Die Leute die einen Monsterfisch haben wollen, sind zum einen von Pc. obscura schnell gelangweilt und zum anderen erreicht ihr diese nicht dadurch, dass ihr im Internet eine Hetzkampagne auslöst. Soviel dazu...
ACHTUNG: VERSTEHT DIESES NICHT FALSCH, ES GIBT SCHLANGENKOPFFISCHE DIE WACHSEN IN EINEM JAHR AUF 40CM UND KÖNNEN NICHT TEMPORÄR IN KLEINEREN BASSINS UNTERGEBRACHT WERDEN.

Zurück zum Obscura, erwähnte ich das die Tiere ruhig sind, es sind keine "Fischkiller" oder "Monsterfische", es sind Fisch und Insektenfresser, die ihrer Beute nicht aktiv hinterherjagen, sondern sich anschleichen und die Beute mit Unterdruck ins Maul ziehen.

Es wird immer davon abgeraten Schlangenkopffische mit Antennenwelsen zusammen in einem Becken zu halten - Parachanna obscura ist ein eindeutiger Beleg für diese Aussage.
Man darf den Tieren nicht unbedingt trauen, denn sie fressen gerne andere Fische die 2/3 ihrer eigenen Größe erreichen !

Jungtiere sind manchmal etwas wählerisch bei der Nahrungsaufnahme, viele Jungtiere fressen erst nur lebendiges Futter (Mückenlarven), dann Frostfutter und erst sehr spät Sticks oder Pellets.
Wenn sich die Tiere aber entschließen solch Ersatznahrung zu fressen, dann können sie große Mengen davon bewältigen und man muss aufpassen, dass man die Tiere nicht mästet.

Ich schreibe immer das Schlangenkopffische in ein Artaquarium gehören -
bei Parachanna obscura mache ich hier  gerne eine Ausnahme, die Tiere lassen sich so ideal mit Flösselhechten vergesellschaften, dass ich dieser Vergesellschaftung in keinem Fall skeptisch gegenüberstehe.

Schöner ist natürlich die Paarhaltung im reinen Artbecken. Viel Holz, viel Anubias und andere großblättrige Pflanzen und ihr habt ein Schlangenkopffischparadies. Besonders für die Haltung im Paludarium finde ich diese Art besonders gut geeignet.

Die Geschlechter lassen sich relativ einfach bestimmen, zeigen die Tiere eine leichte Nuance von Blau in der Dorsalen, dann sind es Männchen, sind sie kräftiger, etwas heller gefärbt und meist dominant, dann sind es Weibchen.  Fortpflanzungsfähig sind die Tiere bereits mit 10/12cm!
Die Balz dieser Art ist eine der schönsten unter den Schlangenkopffische.
Das Männchen bekommt ein Hochzeitskleid in tiefem Schwarz mit einer bläulich-türkisen Dorsalen. Oftmals leuchten die Brustflossenspitzen in dieser Zeit golden.
Zur Balz nähert sich das Männchen vorsichtig dem Männchen und fängt an zu nicken. Akzeptiert das Weibchen diese Annäherung, beginnt der Bock Luftblasen durch die Kiemen aufsteigen zu lassen. Erst danach nähert er sich dem Weibchen und fängt an es in die Seite zu stubsen.
Das umschlingen von Pc. Obscura geschieht sehr langsam und nahezu liebevoll.
Wenn das Weibchen dann in Rückenlage geht sieht es aus wie ein Schiff das untergeht - ganz langsam dreht sich das Weibchen zur Seite und sinkt tiefer.

Die Eier treiben an die Oberfläche und werden dort vom Männchen bewacht. Das Weibchen kümmert sich um die Revierverteidigung - das Männchen bewacht später auch die freischwimmenden Larven.
Leider füttern Pc. obscrua keine Nähreier, so dass man eine Brut mit Artemianauplien und Co. aufziehen muss - die Jungtiere wachsen allerdings so schnell, dass sie auch relativ zügig mich Wasserflöhen und Mückenlarven ernährt werden können.
ACHTUNG: Obscura legen tausende Eier und man kann große Mengen dieser Fische aufziehen, aber nur sehr wenige verkaufen - dies sollte man bei einer NZ immer beachten.

Der dunkelbäuchige Schlangenkopffisch, wie Pc. obscura auf Deutsch genannt wird, besticht nicht durch schöne leuchtende Farben - aber das muss er auch nicht, gerade durch sein Tarnmuster  und der Möglichkeit sich innerhalb von Sekunden von flächig Sandfarben in kontrastreich gefleckt bis tiefschwarz zu verfärben macht diese Art auch optisch attraktiv.

Parachanna obscrua sind tropische Schlangenkopffische, die eine Temperatur von 25-28°C optimal finden, kurze Phasen mit 23°C werden ertragen, aber noch tiefere Temperaturen machen die Tiere anfällig für Parasiten und bakterielle Infektionen.  Wärmere Phasen bis 33°C werden ohne Schaden überstanden.

Seine ruhige, friedliche Art, die interessanten Beobachtungsmöglichkeiten und der verhältnismäßig geringe Platzbedarf, machen Pc. obscura übrigens zu dem perfekten Schlangenkopffisch für den Anfänger in der Schlangenkopffischhaltung.